Gastroenterologie
Funktionelle gastrointestinale Syndrome: Diagnose
Funktionelle gastrointestinale Syndrome
Definition
Funktionelle Syndrome sind Beschwerdebilder mit unterschiedlicher Organsymptomatik, ohne dass organpathologische Veränderungen nachgewiesen werden können.
Funktioneller, polyätiologischer Beschwerdekomplex mit Druck oder Schmerz unterschiedlicher Lokalisation und wechselnder Intensität im Abdomen; Völlegefühl, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Meteorismus ohne nachweisbare organische Erkrankung.
Häufig gleichzeitig Störungen des Stuhlgangs: spastische Obstipation, Diarrhoe sowie allgemeine Zeichen vegetativer Labilität und funktioneller Störungen anderer Organsysteme wie Herz-/Kreislauf, Urogenitaltrakt. Im Wesentlichen betroffen: Magen, Kolon und Gallensystem
Ursachen
Psychosomatische Zusammenhänge: berufliche, soziale Belastungen, seelische Konfliktsituationen, Stress, Neurosen, larvierte Depressionen. Schlechte Essgewohnheiten begünstigen die Störungen: hastiges Essen, schlackenarmes, zu reichliches, zu fettes Essen, Genussmittelabusus (Alkohol, Nikotin). Der Beginn der Störungen lässt sich meist lange zurückverfolgen, ein Beginn jenseits des 50. Lj. ist selten (cave: organische Ursache - Untersuchung auch der umgebenden Organe!)
Reizmagen
Synonyme: "Gastritis", Dyspepsie, "Gastroparese", "Non-ulcer dyspepsia" (NUD)
Symptome
- Druck und Völlegefühl im Epigastrium, meist nach dem Essen, Beschwerden vom Ulkustyp
- Übelkeit
- (Wechselnde!) Nahrungsmittelunverträglichkeit
- Vermehrtes Aufstoßen bei gleichzeitiger Aerophagie, Sodbrennen
- Druck in der Herzgegend ("Roemheld-Syndrom")
- Blähungen
Diagnostik
- Anamnese (langer, wechselnder Verlauf)
- Ausschluss einer organischen Magenerkrankung: Gastroskopie
Gastroparese
Ursache der Beschwerden kann eine Verzögerung der Magenentleerung sein, welche durch eine Motilitätsstörung bedingt ist; der sehr selten auch organische Ursachen wie Diabetes mellitus oder Sklerodermie zugrunde liegen können.
Merke
- Die Diagnose "chronische Gastritis" für den obigen Beschwerdekomplex sollte vermieden werden. Es besteht keine signifikante Korrelation zwischen Beschwerden und histologisch durch Biopsie nachgewiesener Gastritis.
- Die röntgenologisch noch als "Gastritis" bezeichnete Faltenvergröberung ist meist nur Ausdruck eines vermehrten Tonus der Magenmuskulatur und nicht einer entzündlichen Gewebevermehrung.
Irritables Kolon
Synonyme: spastisches Kolon, Kolonneurose, Reizkolon, Colica mucosa
(siehe auch Diarrhoe; Obstipation)
Symptome
- Lokalisation: Schmerzen im gesamten Kolonverlauf möglich, häufiger im Epigastrium, periumbilikal, linker Oberbauch ("Syndrom der linken Flexur"), linker Unterbauch (Sigma)
- Schmerzcharakter: bohrend, manchmal auch kolikartig. Oft Besserung nach Defäkation oder Abgang von Flatus; aber auch das Gefühl, danach nicht richtig entleert zu sein (erhöhter Tonus im Rektum). Auslösung häufig durch Nahrungsaufnahme
- Stuhlunregelmäßigkeiten: spastische Obstipation oder Wechsel von Obstipation und Diarrhoe oder morgendliche schmerzlose Diarrhoe
- Stuhlbeschaffenheit: harte "skybala" (Schafkotstuhl), Bleistiftstuhl. Schleim manchmal in exzessiven Mengen ("Colica mucosa")
- Meteorismus in der Regel im Laufe des Tages zunehmend
Diagnostik
- Anamnese: Hinweise aus Beschwerdebild, Stuhlgewohnheiten und -beschaffenheit; Dauer und Wechselhaftigkeit der Beschwerden
- Ausschluss organischer Darmerkrankungen (besonders Karzinom; Kolitis)
- Blut im Stuhl (makroskopisch, okkult: Hämokkulttest)
- Endoskopie (Koloskopie, Gastroskopie)
- Doppelkontrasteinlauf
- Ausschluss einer Laktoseintoleranz (Milchintoleranz), Zöliakie, Pankreasinsuffizienz
"Dyskinesie der Gallenblase"
Dieser Begriff ist nicht klar definiert und wird nicht allgemein akzeptiert
Symptome
- Lokalisation: rechter Ober- und Mittelbauch
Bedenke: Hier verläuft auch das Kolon! - Cholezystatonie: Druck und Unbehagen besonders nach den Mahlzeiten
- Hypertonie des Zystikus, des Sphincter Oddi (Dysfunktion des Sphincter Oddi)
- Hyperästhesie der Gallenblase ("irritable Gallenblase"): Schmerzen und Koliken wie bei Steinkolik oder Cholezystitis
Diagnostik
- Sonographie
- ERCP, MRCP
- Provokation der Beschwerden durch i.v.-Injektion von Cholezystokinin








